Arbeit und Intention

Wer wir sind

Wir sind eine Gruppe historisch Interessierter, die die Erinnerung an die traditionsreiche, durch die Shoa ausgelöschte Landjudengemeinde Sulzburgs wach halten wollen.

Die Anfänge unserer Gruppe liegen im Sommer 2003, als sich einige von uns innerhalb des ‚Freundeskreises Ehemalige Synagoge Sulzburg' in einer historischen Arbeitsgruppe zusammenfanden, um die jüdische Vergangenheit Sulzburgs im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.

Seit 2011 sind wir als ‚Initiative Jüdische Spuren in Sulzburg' unabhängig tätig mit je nach Projekt unterschiedlichen Mitarbeitern.

Wir wenden uns mit unserer Arbeit an die Mitbürgerinnen und Mitbürger Sulzburgs und seiner Nachbargemeinden, an die Gäste unserer Stadt und an die Nachfahren der jüdischen Bürgerinnen und Bürger.

Über unsere Arbeit

Seit 2003 haben wir Sulzburger Zeitzeugen zu ihren Erinnerungen an die 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts befragt und Briefkontakte zu ehemaligen jüdischen Bewohnern und deren Nachkommen aufgenommen. Wir recherchieren in verschiedenen in- und ausländischen Archiven und sammeln Dokumente, Briefe und Fotos. Bei unseren Nachforschungen konnten wir auf vorhandene Dokumentationen und Schriften aufbauen. Wir haben ermittelt, in welchen Häusern die jüdischen Familien lebten, welche Geschäfte sie betrieben, welche Berufe sie ausübten, unter welchen Umständen sie Sulzburg verlassen haben. Wir gehen den verschiedenen Spuren nach, um über die Menschen zu berichten, die hier gelebt haben, und - so weit es möglich ist - ein Bild ihrer Lebensumstände zu vermitteln.

Von einzelnen Zweigen jüdischer Familien aus Sulzburg haben wir Stammbäume angelegt.

In einer Liste mit den Lebens- und Schicksalsdaten aller jüdischen Bürger, die zwischen 1933 und 1940 hier lebten, wurden alle erreichbaren Daten über Geburt, Wegzug, Flucht, Deportation, Vermisstenerklärung oder Tod zusammengetragen.

Welche Häuser um 1790 und um 1875 in jüdischem Besitz waren, ging aus alten Plänen und Güterverzeichnissen hervor. Für den Zeitraum von 1900 bis 1940 haben wir mit Hilfe der noch vorhandenen Archivalien und mündlicher Zeugnisse einen entsprechenden Plan erstellt, der zur Grundlage für unseren Stadtrundgang durch das jüdische Sulzburg wurde. Hier kann man erkennen, wie eng das Neben- und Miteinander von Juden und Christen in Sulzburg war.

Die dokumentierten Grabsteine des jüdischen Friedhofs im Sulzbachtal haben wir in einem maßstabgetreuen Plan dargestellt. Hinzugefügt wurden Texte zur Geschichte des Friedhofs, zur jüdischen Bestattungskultur und Erläuterungen zum Verständnis der noch lesbaren Grabinschriften. Wir haben einige der hebräischen Texte übersetzt und darüber hinaus zusammengetragen, was wir über die Lebensumstände, die Funktionen in der Gemeinde und die Berufe einiger der hier Begrabenen in Erfahrung bringen konnten.

Ausstellungen, Veröffentlichungen, Führungen

Die Ergebnisse unserer Arbeit wurden 2004 und 2005 in Ausstellungen in der ehemaligen Synagoge Sulzburg und im Regierungspräsidium in Freiburg sowie in der Broschüre „Jüdisches Leben in Sulzburg 1900 - 1940“ veröffentlicht. Diese und zwei neuere Schriften („Ein Stadtrundgang durch das Sulzburg der 30er Jahre“ und „Der jüdische Friedhof im Sulzbachtal“) sind im Publikationsverzeichnis aufgeführt.

In regelmäßigen Abständen bieten wir seit dem Jahr 2012 Führungen auf dem Friedhof und durch die Stadt an.

Unsere Ziele

Mit unseren unterschiedlichen Aktivitäten möchten wir die Erinnerung an die Sulzburger Juden wach halten und einen Beitrag leisten zum gegenseitigen Verständnis unterschiedlicher, religiös geprägter Kulturen. Wir wollen voneinander lernen und miteinander leben, damit sich Ausgrenzung und Vernichtung von Menschen, wie in der NS-Zeit geschehen, nie wiederholen.

An unseren Arbeiten waren bzw. sind beteiligt:

Sibylle Höschele, Heidi Holecek, Christiane Kühner, Rudolf Lewy (gest. 1915), Daniel Meynen, Helmut Fries, Günter Boll (gest. 2012), Heide Spilker, Heide Langguth, Andreas Wirth.